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1893
gründet eine zwölfköpfige Gruppe, darunter auch Viktor Adler den ersten
Arbeiter Verein "Die Biene". Kurz darauf schließen sich viele weitere
Vereine, die gegründet werden, 1899 in Wien, in der Vorstadt Ottakring,
zum ersten großen Fahrradverband in der Gaststätte "Zur roten Bretzen"
zusammen: 11 Vereine mit circa 1000 Mitgliedern treten dem "Verband
der Arbeiter-Radfahrvereine Österreichs" bei.
Voraussetzung für die Vereinsmitgliedschaft ist der Besitz eines Fahrrades
und ein Mindestalter von 18 Jahren. Frauen sind selten vertreten,
da sie sich meist kein eigenes Rad leisten können und in den Arbeiterfamilien
nur der Mann das Recht hat, das Fahrrad zu verwenden. Um sich gegen
die Schikanen der kontrollierenden Obrigkeit wehren zu können, wird
ein Rechtsschutz vereinbart. Ansonsten widmen sich die Vereine den
gemeinsamen Ausflügen und Versammlungen: "Zweck der gemeinsamen Vereinsausflüge,
die unter der Leitung geschulter Funktionäre durchgeführt wurden,
lag im Kennenlernen der örtlichen Verhältnisse mit ihren Sehenswürdigkeiten
und Naturschönheiten sowie in der Pflege der Geselligkeit, der Agitation
und der Hebung des Solidaritätsempfindens." (zit.aus: Andreas Hochmuth,
Kommt Zeit - Kommt Rad, Wien, 1991)
Die gemeinsamen Ausfahrten finden unter Einhaltung strengster Regeln
statt: An der Spitze fährt der Fahrwart, der Anweisungen an den hinter
ihm fahrenden Hornisten erteilt. Durch seine Signale hält er die Fahrformation
aufrecht. Die Leistungsstärkeren müssen am Ende des Zuges ihr Tempo
an die Langsameren anpassen. Der "Stockmann" fährt zuletzt und teilt
Zwischenfälle mit einer Pfeife mit. Bei technischen Defekten hilft
der "Zeugwart", der meist die "Pneumatics" - häufig beschädigt durch
Hufnägel auf der Straße - reparieren muß und daher immer eine Luftpumpe
mitführt. Der Hornwart kümmert sich um das leibliche Wohl und trägt
immer das vereinseigene Trinkhorn mit sich. Alkoholkonsum wird streng
kontrolliert. Auch antialkoholisches sollte nicht zuviel getrunken
werden: "Man bedenke stets, daß das Trinken von zu viel Flüssigkeit
vermehrte Schweißabsonderung hervorruft." (zit.aus: Andreas Hochmuth,
Kommt Zeit - Kommt Rad, Wien, 1991)
Im Lauf der Zeit werden von den Vereinen preisgünstige Gaststätten
ausfindig gemacht, die mit dem Vereinszeichen gekennzeichnet sind
und oft Hilfswerkzeug und Reparaturmaterial bereit stellen. In anderen
Lokalen einzukehren gilt häufig als moralisches Vergehen gegen die
ArbeiterInneninteressen.
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