| Wirtschaftswunder
- Fahrradsterben |
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Ist das
Fahrrad in der Nachkriegszeit zunächst noch nahezu überlebenswichtig
und hilft es bei Hamsterfahrten aufs Land, um Nahrungsmittel zu besorgen,
setzt sich mit zunehmendem Wirtschaftsaufschwung das Auto durch. Lediglich
Frauen- und Kinderfahrräder werden noch verkauft. Männer steigen auf
das Statussymbol Auto um. Die psychologische Bedeutung des Autos läßt
sich so beschreiben: "Zwar konnte man auch mit der Eisenbahn der Enge
des Lebenskreises entkommen, doch versprach erst das Auto wirkliche
Souveränität. Nur der Automobilist war Herr über Fahrplan und Strecke.
Was den Zeitgenossen die Eisenbahnreise verleidete, versprach das
Auto ändern zu können: Mit ihm bedeutete Reisen wieder freieste Aktivität.
Man konnte selbst bestimmen und - aus heutiger Sicht merkwürdig -
"in freier Luft sein". Das Auto stand für Unabhängigkeit, Subjektivität
und Individualität als Lebensentwurf, für ein Stück mehr Freiheit
im privaten Winkel. Dabei mußte sich jedoch zunehmend alles andere,
die Landschaft, die nichtmotorisierten Menschen, von denen ein "Umbau
des Verhaltens" verlangt wurde, der Vision des durchlässigen Raums,
der Eigenlogik der "freien Fahrt für freie Bürger" unterordnen." (zit.aus:
Michael P. Degen, Immer diese Radfahrer,Hamburg, 1989) Trotz der sich
ausbreitenden Fitneßwelle unter dem Motto "Trimm-dich-fit" verzeichnet
die Fahrradindustrie laufend Verluste. So manche/r verwendet das Rad
nur mehr in Form von "Fehlkonstruktionen" als Heimrad für Gymnastikzwecke
oder als Klapprad, das sich auch in das kleinste Auto verstauen läßt.
Schon vorhandene Radwege werden Autostraßen geopfert: 1960 gibt es
noch 43 km Radwege - 1975 nur mehr 12 km. |
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