Zwischen den Kriegen  
   

In der Zwischenkriegszeit setzt sich das Fahrrad endgültig als Verkehrsmittel durch. 500.000 Fahrräder werden in den 20er Jahren in Österreich verkauft. Allein in Wien sind circa 100.000 Räder unterwegs. Dennoch orientieren sich Straßenbau und Verkehrsregelung an dem vermehrt aufkommenden Autoverkehr, weshalb sich Initiativen zur Schaffung von Radwegen, u.a. die "Zentralstelle für Radfahrwege" bilden.

In der angespannten politischen Situation der 30er Jahre wird das Rad immer wieder zu agitatorischen Zwecken verwendet: politische Aktivisten versehen Kurierdienste, transportieren Parteikorrespondenz und nützen die Fahrradvereine für ihre jeweiligen Interessen. So veröffentlicht der "Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbund Österreichs" (ARBÖ) Kampfaufrufe: : "Die Pflege des Sports ist Sache des ganzen Volkes. Von den antimarxistischen Parteien ist aber keine Hilfe zu erwarten. Darum treten wir als Arbeiter und als Sportler in die Kampffront der Partei des gesamten werktätigen Volkes, in die sozialdemokratische Partei. Wir kämpfen mit der Sozialdemokratie, gegen den Kapitalismus, den Militarismus, den Faschismus! Wählt sozialdemokratisch!
Der Vorstand des ARBÖ, Der Vorstand des ASKÖ" (zit. aus: Andreas Hochmuth, Kommt Zeit - Kommt Rad, Wien, 1991)

Einer der Höhepunkte des sozialistischen ArbeiterInnensports stellt die 1931 abgehaltene zweite Arbeiterolympiade dar, zu deren Abhaltung ein eigenes Radstadion erbaut wird. 1934 wird der ARBÖ unter dem Dollfuß Regime verboten. Dennoch steigt der Fahrradbestand in Österreich. In den 30er Jahren fahren eine Million Menschen mit dem Fahrrad, 200.000 davon allein in Wien. Rund ein Drittel der BesitzerInnen sind Frauen.