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Wie bei
vielen technischen Neuerungen ist es auch beim Fahrrad kaum mehr möglich,
den ersten Erfinder festzumachen. Es haben wohl mehrere Menschen über
eine schnellere Art der Fortbewegung zur selben Zeit nachgedacht.
In die Geschichte eingegangen sind nur einige wenige Namen. So wird
einem oftmals als verkanntes Genie dargestellten Forstmeister in Deutschland
die Erfindung des Laufrades, der nach ihm benannten "Draisine", zugeschrieben.
Karl Freiherr
von Drais (1785-1851) wird als Sohn eines hoch angesehenen Hof-
und Regierungsrates geboren. Nachdem er wegen Schwierigkeiten in Latein
das Gymnasium verlassen muß, absolviert er eine Forstlehre. Auch hier
ist ihm kein Erfolg beschieden und so widmet er sich in der Folge
seinen Erfindungen. Mit großen Ankündigungen in den Zeitungen tritt
er bald an die Öffentlichkeit. Chiffriercodes, ein Schnellschreibklavier
oder eine Kochmaschine werden von ihm beworben.
1813 konstruiert er die erste "Fahrmaschine ohne Pferd", ein vierrädriges
Laufrad, dessen Patentierung Drais allerdings nicht durchsetzen kann.
Vier Jahre später greift er die Idee wieder auf und entwirft das Laufrad.
Als neues Fortbewegungsmittel, das kinderleicht zu handhaben ist und
Zeit spart, preist er sein neuestes Werk an. Auch wenn es nach anfänglicher
Begeisterung als "Spielzeug" der adeligen Gesellschaft in Europa Verbreitung
findet, gerät es nach 1840 wieder in Vergessenheit. Die schlechten
Straßenverhältnisse lassen eine längere "Fahrt" mit der Draisine eher
schmerzhaft werden und von einem Geschwindigkeitsgewinn kann kaum
die Rede sein.
Auch in Wien wird ein solches Laufrad gesehen, wie ein Chronist 1818
berichtet: " ...das seyn di neumodisch´n Fueßkutscher, sö heissen`s
d´Schnell-laufer, da setzt m´r si auf aso a Maschinn und ruederd dabei
mid all´n zwaa Füess´n...sö das iß a prächtichi Erfindung..." (zit.
aus: Andreas Hochmuth, Kommt Zeit - Kommt Rad, Wien, 1991)
Nachdem es sehr bald zu Zusammenstößen der Laufradler mit Fußgängern
und Kutschen kommt, errichtet der Begründer der ersten Fabrik für
landwirtschaftliche Maschinen Anton Burg eine Laufradschule. Rücksichtsvolles
Verhalten auf der Straße und eine verbesserte Fahrtechnik werden unterrichtet.
In England wird das Gefährt "Boneshaker" (Knochenschüttler) genannt
und für Frauen werden eigene Konstruktionen angeboten, die ein Fahren
mit langen Kleidern ermöglichen. Dennoch - nach anfänglichem Erfolg
verschwindet die Draisine wieder aus dem Stadtbild.
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