Der gesunde Volkskörper der Aufklärung
 

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts ändert sich die Einstellung zum Bad grundlegend. Einerseits setzt sich die Erkenntnis durch, daß mangelnde Hygiene mitverantwortlich für Seuchen und Epidemien ist. Andererseits beeinflußt das Gedankengut der Aufklärung den Umgang mit Wasser.

Krankheit und Tod werden nicht mehr als göttliche Fügung hingenommen. Die Verantwortung für die Lebensumstände liegt nun bei jedem Einzelnen und der Gesellschaft. Im Interesse der Gemeinschaft soll sich nun jeder um seine Gesundheit kümmern. Baden, vor allem in kaltem Wasser soll den Körper abhärten und vor Krankheit bewahren. Warmes Wasser verweichlicht und schwächt.
Jean Jacques Rousseau vertritt in seinem Werk "Emil oder über die Erziehung" (1762) das Baden von Kindern in kaltem Wasser als wichtige pädagogische und medizinische Maßnahme.

Diese Ideen werden auch vom Militär übernommen. In Wien entsteht schließlich im Prater 1813 die erste K.u.K Militärschwimmschule mit dem Ziel der Abhärtung und Disziplinierung der Soldaten. Flußbadeschiffe an der Donau und am Donaukanal werden dazu verwendet.
Diese floßartigen Schiffe sind mit Seilen am Ufer befestigt und verfügen über hölzerne Aufbauten als Umkleidekabinen. Gebadet wird in sogenannten Badekörben aus Metallgittern, durch die das Donauwasser fließt.

Auch private Unternehmer betreiben Flußbadeschiffe. Vor allem die Wiener Ärzte Pascal Joseph Ferro und Johann Peter Frank propagieren mit ihren Badeschiffen das Baden in kaltem Wasser. Pascal Joseph Ferro, ab 1800 Wiener Stadtphysikus und Reformator des Sanitäts- und Rettungswesens, eröffnet seine "Badeanlage" Am Tabor an einem Donauarm nahe dem Augarten.

Aus dem 1779 veröffentlichtem Werk Johann Peter Franks " System einer vollständigen, medicinischen Polizey" geht hervor, daß der Staat nun beginnt, sich um die Gesundheit der Bevölkerung zu kümmern.
Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung, Körperpflege und Hygiene im allgemeinen werden propagiert und notfalls mit staatlichen Verordnungen und Gewalt der Exekutivorgane durchgesetzt. Denn der neue Umgang mit dem Körper dient nicht dem Vergnügen, sondern dem Erhalt der Arbeitskraft und der Volksgesundheit. Vergnügliches freies Baden in den Donauarmen wird noch mehr als unsittlich verfolgt.